Geschichte - Gemeinde Hofbieber - Willkommen in der Rhön

Geschichte

Seit Jahrhunderten ist die Gemeinde Hofbieber mit ihren Dörfern auf die Landwirtschaft ausgerichtet. Noch heute hat dieser Produktionszweig eine starke Bedeutung, wenngleich der ausschließlich landwirtschaftliche Produktions- und Lebensraum zum erheblichen Teil verloren gegangen ist. Bemerkenswert ist dennoch, dass die Lebensqualitäten von den Bewohnern der Gemeinde sehr hoch eingeschätzt werden. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Jung und Alt beweist, dass die Menschen die innere Verbindung zu ihrem durch Jahrhunderte organisch gewachsenen Dorf nur ungern lösen.

Nachfolgend finden Sie historische Informationen zum Hofbieberer Wappen,  über die Sage des Riesen Mils und zum Schloss Bieberstein.

Historische Entwicklung

Die ersten im Bereich der Gemeinde Hofbieber nachweisbaren Spuren einer Besiedelung stammen aus der Bronzezeit. Zahlreiche Gräber in den Gemarkungen der Gemeinde sowie ein Ringwall auf der Milseburg sind Zeugen davon, dass keltische Stämme hier angesiedelt waren. Auch war die Gegend nachweisbar schon bewohnt, als der Hl. Bonifatius im nahen Fulda sein Kloster gründete. Jedenfalls scheint es erwiesen, dass der Haune- und Biebergrund die am frühesten besiedelten Flusstäler des Kreises Fulda waren. Die Siedler kamen aus Unterfranken und Thüringen und brachten von hier seit der Mitte des 7. Jahrhunderts auch den christlichen Glauben mit, den sie oder ihre Eltern von irisch-schottischen Mönchsmissionaren empfangen hatten. Zu den frühen christlichen Niederlassungen gehörte auch Hofbieber. Wahrscheinlich war es eine etwa im 7. Jahrhundert von Niederbieber aus angelegte Siedlung. Der Name dieser Siedlung war "Bieberaha".

Erstmals schriftlich erwähnt ist dieses " Bieberaha" am 10. September 825 in einer Schenkungsurkunde des Egilmar und Meginhold, den "Gründern von Egelmes", die damals dem Fuldaer Kloster einen "an einen Neubruch des HI. Bonifatius anstoßenden" Neubruch in dem Dorf Bieberaha übereigneten. Aus dieser Zeit hat auch die enge Verbindung des hiesigen Raumes zu Fulda und seinem Kloster ihren Ursprung. Einen Einblick, wie die im hiesigen Raum lebenden Vorfahren beschaffen waren, vermittelt ein Eintrag in der Kirchenchronik von Hofbieber, in der über den Fund einer großen Anzahl von Totengebeinen anlässlich des Kirchenneubaues in Hofbieber berichtet wird. Es heißt dort: "Zu bemerken sei auch, dass manche der gefundenen Schädel ungewöhnlich groß waren, ebenso die Arm- und Beinknochen. Dieses, wie die Länge der Wirbelsäule und die Stärke des Brustkorbes und der Beckenknochen lassen darauf schließen, dass früher sehr große und starke Menschen hier gelebt haben. Die Schädel hatten meist noch ein unversehrtes glänzendes Gebiss und grinsten einen an." Die Schlussfolgerungen aus dieser Eintragung mögen dem Leser selbst überlassen bleiben.

Der Ortsteil Hofbieber ist der Kernort der im Jahre 1972 im Rahmen der Gebietsreform neu geschaffenen Gemeinden gleichen Namens. Schon in früheren Jahrhunderten hat der Kernort eine bedeutsame Stellung eingenommen als Sitz eines Gerichts. Es befand sich hier ein Centgericht. Bei diesem wurde die höhere Gerichtsbarkeit ausgeübt. Es hatte also den Blutbann und das Recht über Hals und Haupt. Das Gericht wurde unter freiem Himmel gehalten "uf dem Berge, by neben dem Dorff". Es war ein Platz oberhalb des Dorfes Hofbieber, welcher jetzt noch in der Flurkarte "Die Cent" heißt. Dort soll ein steinerner Tisch gestanden haben, umgeben von Steinbänken. Etwas weiter nach Osten hin ist der "Galgenküppel" und daneben der "Galgenacker". Es ist merkwürdig, dass sich auf einer zweiten Anhöhe bei Hofbieber, auf dem westlich davon gelegenen Hofberge, ebenfalls ein "Galgenberg" und ein "Galgenacker" befinden. Unsere Vorfahren haben nicht ohne besondere Absicht den Galgen auf Anhöhen errichtet, wo er weithin gesehen werden konnte. Außer dem Centgericht wurden die Dorfgerichte in Hofbieber abgehalten und zwar unter der Dorflinde. In Hofbieber stand eine Linde auf dem freien Platz zwischen Pfarrhaus, Wirtshaus und den gegenüberliegenden Höfen, welcher noch heute der "Lindenplatz" heißt. Zu den Vorrechten, welche Hofbieber als Hauptort des Gerichtsbezirkes besaß, erhielt es noch ein eigentümliches Privilegium: Es war die Konzession des Weinschankes im gesamten Amtsbezirk. Der Abt von Fulda als Landesherr hatte dem Wirt zu Hofbieber diese Konzession für das gesamte Amt Bieberstein erteilt und ihm für bestimmte Festlichkeiten, wie "Kirmes", "hochzeitliche Ehrenzechen", "Taufweihen- und Kaufzechen", das ausschließliche Recht verliehen, Wein zu zapfen. dass es wegen dieses Privilegs häufig zu Streitigkeiten zwischen dem Wirt von Hofbieber und den Wirten der umliegenden Orte kam, verwundert nicht, wenn man hört, dass sogar das Quantum, das jeder trinken sollte, geregelt war.

Einer der schönsten Punkte der Rhön ist ohne Zweifel der Bieberstein. Die günstige Lage Biebersteins lässt vermuten, dass sich die Menschen hier schon in der Frühzeit eine Siedlung oder wenigstens eine Zufluchtstätte geschaffen haben. Im Mittelalter war es Abt Marquard (1150 - 1165), der die Bedeutung Biebersteins als militärischen Stützpunkt erkannte. Er errichtete daher die Burg um das Jahr 1150 als eine der ersten befestigten Anlagen des Fuldaer Klosters. Die von Abt Marquard errichtete Burg scheint nicht sehr solide gebaut gewesen zu sein, denn schon vor der Mitte des 13. Jahrhunderts ist sie stark beschädigt und teilweise zerfallen. Abt Heinrich der IV. ließ im Jahre 1250 die Burg Bieberstein wiederherstellen und mit starken Mauern und Gräben umgeben. Im 14. und 15. Jahrhundert hat die Burg Bieberstein häufig ihren Besitzer gewechselt. Ab 1486 bis zur Säkularisation 1802 blieb Bieberstein jedoch ununterbrochen im Besitz der Fürstäbte von Fulda. Bieberstein war nicht nur eine befestigte Burg, sondern wahrscheinlich schon seit Ende des 13. Jahrhunderts Sitz der Amts- und Gerichtsverwaltung für die umliegenden Ortschaften. Die Bauern der Umgegend schauten mit gemischten Gefühlen zu der Burg hinauf. Ungerufen ließen sie sich nicht dort sehen, denn häufig genug mussten sie den Berg ersteigen, um ihre Abgaben abzuliefern oder um den schuldigen Frondienst zu leisten.

Etwa um das Jahr 1710 wurde die alte Burg unter Fürstabt Adalbert von Schleiffras abgerissen und mit den Vorarbeiten für den Neubau begonnen. Die Fertigstellung des Schlosses zog sich bis zum Jahr 1723 hin. 1718 - 1720 wurde ein 57 m tiefer Ziehbrunnen gegraben. Bis dahin hatten die Bauern in Fronarbeit das Wasser den Berg hinauffahren müssen. Die Säkularisation 1802 brachte auch dem Bieberstein wichtige Veränderungen. Das Inventar wurde zum Teil versteigert oder von den Franzosen verschleppt. Anschließend hatte das Schloss häufig wechselnde weltliche Besitzer.

Das Amt Bieberstein wurde 1822 endgültig aufgelöst, nachdem es schon 1815 die östlichen Ortschaften an Bayern verloren hatte. Da auch die ehemals ebersteinischen Dörfer an Bayern kamen, verlief von 1815 bis 1866 die Landesgrenze nur wenige hundert Meter vom Schlossberg entfernt. Im Jahre 1904 kaufte Hermann Lietz Schloss Bieberstein und baute es mit Hilfe von Handwerksmeistern und Schülern seiner Landerziehungsheime aus. Seit dieser Zeit dient es als Privatschule.

Die höchste Erhebung der Gemeinde Hofbieber mit 835 Metern ist die Milseburg. Ein seltsamer Reiz geht von diesem sargförmigen Basaltkegel aus, den Alexander von Humbold als den schönsten Berg Deutschlands bezeichnete. Geschichten und Sagen ranken sich um diesen Berg, auf dessen Gipfel ein Kirchlein steht, das seit Jahrhunderten Ziel von Wallfahrern aus der gesamten Rhön ist. Vom Gipfel der Milseburg schaut ein Gipfelkreuz weit hinein ins Fuldaer Land. Am Fuße der Milseburg in der Nähe der Ortschaft Danzwiesen finden sich bis heute als Zeugen früher keltischer Besiedlung Reste eines Ringwalles.

Das Wappen von Hofbieber

Im Jahre 1972 wurde die Gemeinde Hofbieber im Zuge der Gebietsreform aus 16 ehemals selbständigen Gemeinden gebildet. Ein eigenes Wappen wurde im Jahre 1973 entworfen und wird seit dieser Zeit geführt.

Das Wappen zeigt auf weißem Grund eine Buche, an der 16 Blätter sichtbar sind. Auf der rechten Seite des Stammes ist ein abgebrochener Ast zu sehen. Die in dem Wappen dargestellte Buche weist darauf hin, dass das Gebiet der Gemeinde stark bewaldet ist. Vorherrschend ist hier die Buche. Darüber hinaus ist die Buche ein Hinweis darauf, dass zur Zeit der Klostergründung in Fulda durch den Hl. Bonifatius das Land um Fulda herum wegen seines Waldreichtums als "Buchonia" bekannt war. Die 16 Blätter sind der Hinweis darauf, dass die Großgemeinde Hofbieber aus 16 ehemals selbständigen Gemeinden entstanden ist.

Der abgebrochene Ast weist auf die Grenze zur ehemaligen DDR hin, die über 40 Jahre hinweg das Gemeindegebiet nach Osten hin undurchdringlich verschlossen hat. Diese Grenze ist nun zwar gefallen, der abgebrochene Ast wird jedoch im Wappen verbleiben, weil das Unrecht, das den Menschen diesseits, besonders aber jenseits des eisernen Vorhangs geschehen ist, nicht in Vergessenheit geraten darf.

Die Form des Buchenstammes und die kräftigen Wurzeln sind Zeugnis für die Heimatverbundenheit der Bewohner der Rhöngemeinde Hofbieber. Auf die jahrhundertealte enge Verbindung zum ehemaligen Hochstift Fulda weist das schwarze Kreuz im Wappen hin.

Schließlich der in weiß gehaltene Untergrund, der einen gedeckten Tisch symbolisieren soll, zeugt von der Gastfreundschaft der Bewohner der Gemeinde und davon, dass in einer ganzen Reihe der Ortsteile erfolgreicher Tourismus betrieben wird.

Wappen

Der Riese Mils

Als die ersten Glaubensboten in das heidnische Buchenland kamen, lebte in der Rhön ein Riese namens Mils. Auf einem mächtigen Berge stand seine Felsenburg. Dieser Riese erschwerte den heiligen Gottesmännern ihre Bekehrungsarbeit, strebte den Neugetauften nach, quälte und bedrückte diese und ihre Lehrer. Da machte sich der heilige Gangolf mit einigen Rittern auf, um den Riesen in seiner Burg zu bezwingen. Den Belagerern stand nur eine einzige Wasserquelle zur Verfügung, die einem geizigen Bauern gehörte.

Der Besitzer wollte die Not der Kämpfer Christi dazu benutzen, sich zur bereichern und verlangte für die Benutzung seines Brunnens eine so hohe Abgabe, dass Gangolf und seine Getreuen diese Geldsumme nicht aufbringen konnten. Gangolf hatte eben den Helm zum letzten Male mit dem Wasser des Brunnens gefüllt, war in das Lager seiner Mannen zurückgekehrt und schüttete es auf den Boden. Sofort entsprang hier ein Quell, der heute noch Gangolfsbrunnen heißt. Der Brunnen des Bauern aber versiegte in demselben Augenblick.

Von Neuem begann der Sturm auf die Feste des Riesen Mils. Dieser sah, dass keine Rettung möglich war, und gab sich in der Verzweiflung selbst den Tod. Da warf der Teufel, dem Mils sein Leben lang gedient hatte, jenes Riesengrab über dem Leichnam des Selbstmörders auf, das heute als Milseburg weit über die Lande schaut.
Das Kreuz aber siegte nun auch in diesem Teile des Buchenlandes und steht triumphierend auf dem Gipfel, den einst die heidnische Riesenfeste beherrschte.

Der Riese Mils

Schloss Bieberstein

Für alle Besucher schon von Weitem sichtbar - hoch auf dem Kugelberg im Ortsteil Langenbieber gelegen, das Schloss Bieberstein!

Das Barockschloss aus dem Jahr 1150 hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Abt Marquard von Fulda ließ die Burg im Jahre 1150 zum Schutz gegen Raubritter erbauen. 100 Jahre später erweitert Abt Heinrich IV die Burg und baut sie weiter aus. Zwischen den Jahren 1350 und 1500 wurde die Burg an verschiedene Adelsgeschlechter verpfändet, da die Unterhaltungskosten wohl sehr hoch waren. Seit dieser Zeit war Schloss Bieberstein auch Amt und Oberamt der Fürstabtei Fulda für 36 Ortschaften und neun Einzelhöfe.

In der Zeit von 1576 bis 1602 diente die Burg als Exil für den Fürstabt Balthasar von Dernbach und seinem Hofstaat, der vom Würzburger Fürstbischof Julius Echter abgesetzt wurde. Papst Clemens VIII verlieh ihm später wieder alle Rechte. Im Jahr 1602 wurde die Burg geräumt, stand fast 100 Jahre leer und wurde immer baufälliger. Fürst Adalbert von Schleifras ließ nach den Plänen des Fuldaer Dombaumeisters Johannes Dientzenhofer ein prächtiges Barockschloss erbauen. Von diesem Zeitpunkt an war Schloss Bieberstein ein beliebter Ort für fröhliche Feste und Zusammenkünfte.

Weitere Punkte in der Geschichte des Schlosses:
1802 fiel es durch die Säkularisation an Oranien-Nassau; in weiterer Reihenfolge an die französische Militärverwaltung, an das Großherzogtum Frankfurt, an Österreich und an Preußen. Nach Zwangsversteigerung im Jahre 1887 wurde das Schloss von dem Fuldaer Fabrikanten Bellinger im Jahre 1904 an Hermann Lietz verkauft, der dort ein "Landerziehungsheim" gründete.

Heute befindet sich im Schloss eine private Schule der Hermann-Lietz-Stiftung und das Gebäude ist deshalb für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. In jedem Fall lohnt es sich aber das Schloss Bieberstein zu besuchen und die schöne Aussicht zu genießen.

Schloss Bieberstein von weiter Ferne
Schloss Bieberstein + Milseburg
Schloss Bieberstein von oben
Luftaufnahme
Schloss Bieberstein mit Milseburg im Winter