Nationale Klimaschutzinitiative

Nationale Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums

Windenergie am Wasserwerk, energieeffiziente Pumpen, Solarenergie auf dem Dach: Die hessische Gemeinde Hofbieber zeigt, wie Investitionen in die Trinkwasserversorgung das Klima schützen.

Eugen Frohnapfel verbindet die Rhön nicht nur mit saftig-grünen Flusstälern, Basaltbergen und Biotopen, die sich hervorragend zur Tierbeobachtung eignen. Für den Wassermeister im hessischen Hofbieber stehen die Höhen und Täler der Rhön und ihrer kleinen, verstreuten Dörfer für die Herausforderung, der er sich seit 20 Jahren stellt: die Menschen hier mit Trinkwasser zu versorgen und die Verantwortung für das 80 Kilometer lange Leitungsnetz zu übernehmen. Denn die etwa 6.000 Einwohnerinnen und Einwohnern von Hofbieber verteilen sich auf rund 90 Quadratkilometer und 16 Ortsteile. Für oft geringe Wassermengen muss deshalb großer Aufwand betrieben werden. In dem bergigen Gebiet muss das Wasser etwa über große Höhen und drei Täler in Weiler gepumpt werden, damit das Wasser auch die abgelegensten Orte erreicht.

Trinkwasserversorgung braucht viel Energie: von der Wassergewinnung über die Aufbereitung und die Speicherung bis hin zur Wasserverteilung. In Hofbieber beträgt der Energiebedarf pro Jahr rund 134.000 Kilowattstunden und er verursacht über 51.600 Kilogramm CO2-Emissionen pro Jahr. Deshalb stellt sich für Frohnapfel die Frage, wie Hofbieber in der Trinkwasserversorgung Energie und Kosten sparen und zugleich das Klima schützen kann.

 

Der erste Schritt: Potenziale entdecken

Um darauf Antworten zu finden, wurde für die Kommune ein 120 Seiten dickes Papier erarbeitet: das Klimaschutzteilkonzept zur Trinkwasserversorgung. Für diese Analyse wurden Tiefbrunnen, Hochbehälter und Pumpstationen im Gebiet der Gemeinde intensiv geprüft. Mit rund 21.000 Euro förderte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) die Studie. Das Fazit: Vieles läuft angesichts der Herausforderungen in der Rhön schon richtig, doch die Energiebilanz kann verbessert werden, wenn erneuerbare Energien genutzt werden und in hocheffiziente Technik investiert wird.

Seit 2017 ist Eugen Frohnapfel deshalb mit seinem Team dabei, die Trinkwasserversorgung der Gemeinde klimafreundlicher zu machen. Die Hochbehälter, die als Reservoir dienen, um Wasser zu speichern, werden nach und nach saniert. Ältere Pumpen werden nicht mehr repariert, sondern durch neue und energieeffiziente ersetzt. Dort, wo viele Stunden Sonnenschein oder Wind zu erwarten sind, wird der Einsatz von Photovoltaik oder der Bau einer Kleinwindanlage auf dem Dach geprüft. Allein durch den Eigenverbrauch der Solarenergie können die Emissionen um bis zu 15 Tonnen CO2 pro Jahr gesenkt werden. Bei einer Nutzungsdauer von 20 Jahren kann die Gemeinde – nach Abzug der Kosten – rund 155.000 Euro sparen.

Eine gute Nachricht für alle Kommunen: die systemische Optimierung der Trinkwasserversorgung, Potenzialstudien sowie energieeffiziente Aggregate werden seit Januar 2019 im Rahmen der novellierten Kommunalrichtlinie vom BMU gefördert.

 

Vorausschauen: für die Zukunft planen

Der Klimawandel stellt Hofbieber vor weitere Herausforderungen: „Das Grundwasser in der Rhön wird stärker schwanken, Quellen können bei anhaltenden heißen Temperaturen im Sommer versiegen.“ Diese Folgen des Klimawandels hat das Bundesamt für Naturschutz bereits 2012 für die Region prognostiziert. „Die Dürre im Sommer 2018 hat uns eindrücklich gezeigt, wie wichtig es ist, das im Auge zu behalten“, sagt Eugen Frohnapfel. Er steht deshalb in engem Kontakt mit dem hessischen Regierungspräsidium, um Möglichkeiten auszuloten, neue Wasserquellen zu erschließen und zeitig die dafür notwendigen Genehmigungen in die Wege zu leiten. Schon jetzt sind alle Ortsteile der Gemeinde Hofbieber so miteinander verbunden, dass Wasserüberschüsse und -engpässe untereinander ausgeglichen werden können.

Hofbieber engagiert sich auch auf anderen Feldern für den Klimaschutz: So können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung inzwischen ein E-Auto für Ihre Dienstfahrten nutzen. Außerdem ist im Gemeindegebiet Hofbieber eine Photovoltaik-Anlage mit einer Nennleistung von 1,28 Megawatt installiert und ein Windpark wird jährlich rund 20 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren. Die hessische Gemeinde könnte ihren Energiebedarf damit zu 100 Prozent über erneuerbare Energien decken.